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 Biographien
nobilis

08.08.2010 14:15
Eduard Mörike antworten

Mit Mörike von Ort zu Ort.

Erschienen im Silberbuch-Verlag, Tübingen

Ich bin in Cleversulzbach bei Heilbronn aufgewachsen und bin mit diesem Dichter groß geworden, deshalb liebe ich ihn und seine Geschichten und Gedichte sehr. Auf dem Friedhof in
Cleversulzbach liegen meine Großeltern (mein Großvater war an diesem Ort Bürgermeister in den Zwanziger Jahren) und meine Eltern sowie mein Bruder in unmittelbarer Nähe von
Mörikes und Schillers Mutter.

Ein ganz besonderes Buch möchte ich hier vorstellen:


Geboren wurde der schwäbische Poet am 8. September 1804 in Ludwigsburg. Mit 13 Jahren kam er nach Stuttgart ins Gymnasium. Anschließend besuchte er das "Niedere Theologische Seminar" in Urach als Vorbereitung auf das Theologie-Studium in Tübingen. Zwischen 1826 und 1834 arbeitete er als Vikar und Pfarrverweser an verschiedenen Orten, bevor er in Cleversulzbach eine Pfarrstelle erhielt und dort bis 1843 blieb - stets hin- und her gerissen zwischen seinen Pflichten als Pfarrer und seiner Liebe zur Lyrik. Mit 39 Jahren krankheitshalber in den Ruhestand versetzt, wohnte er einige Monate in Wermutshausen und Schwäbisch Hall, bevor er nach Bad Mergentheim zog. 1851 nahm er nach seiner Hochzeit einen Lehrauftrag am Königin-Katharina-Stift in Stuttgart an. Hier starb Mörike 1875.

Man könnte meinen, dies seien Anhaltspunkte genug, um zwischen Ludwigsburg und Stuttgart auf Spurensuche zu gehen. Doch gar so viel ist nicht geblieben, das an Mörike erinnert. Was es gibt, wird akribisch aufgeführt in dem Band von Irene Ferchl und Wilfried Setzler "Mit Mörike von Ort zu Ort". Da dieses Buch Biographie, Reiseführer und Gedichtsammlung vereint, braucht man nur noch den Picknickkorb zu packen und loszuwandern, um irgendwo auf einer literarisch relevanten Streuobstwiese Mörike-Stimmung zu empfinden.

Ein Ort mit Mörike-Reminiszenzen ist Cleversulzbach. Im Alten Schulhaus wurde eine Gedenkstätte mit Zeichnungen, Briefen, frühen Werkausgaben, Rechnungen und persönlichen Gegenständen des Dichters liebevoll eingerichtet. Da ist der Storchenkalender in Mörikes Gartenbüchlein zu bestaunen, dort das Schönthaler Gurkenrezept samt gereimtem Kommentar: "Merke noch: die Senfkukumern / Werden auch in Ewigkeit / Weder schimmeln noch verlummern / Wenn man sie so zubereit!"

Die Exponate zeichnen ein bescheidenes, versponnenes, naturverbundenes Dasein und dokumentieren den heiteren Umgang mit Freunden. War Mörikes Zeit in Cleversulzbach doch die glücklichste seines Lebens? Gewiss war sie eine der produktivsten.
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Im Museum ist auch ein Faltblatt zum "Mörikepfad" erhältlich. Es ist ein Rundweg, der die von Mörike geschätzte Landschaft erlebbar macht: Wald, Gärten und Kapelle, Bach und Berg, manches davon literarisch verewigt wie das "Eichenportal" auf dem Sulzrain. Auf solchen Spaziergängen ließ sich Mörike inspirieren: "Im Nebel ruhet noch die Welt, noch träumen Wald und Wiesen..."

Auf die Zeit in Cleversulzbach folgten sieben wichtige Jahre in Bad Mergentheim. Der Gesundheit wegen, und auch, weil ihm die heitere, von Weinbergen umgebene historische Stadt gefiel, kam Eduard Mörike mit seiner Schwester Klara 1844 in den Badeort. Im behäbigen Haus des Oberst a.D. von Speeth fanden die Geschwister eine Wohnung. Heute ziert eine Plakette das Gebäude am Markt/Ecke Burgstraße. Die 26-jährige Tochter des Hausherrn, Margarete Speeth, und Mörikes Schwester kannten sich von früher. Nach dem Tod des Oberst bildeten Mörike, Klara und Margarethe eine Wohngemeinschaft. Aus der Freundschaft zwischen Mörike und Margarete wurde Liebe. Am 25. November 1851 fand in der barocken Schlosskirche die Hochzeit statt.

Im ehemaligen Schloss des Deutschen Ordens ist heute ein Museum samt Mörike-Kabinett untergebracht. Von seiner Wohnung aus blickte er auf Markt und Poststation, so dass "ihm nicht langweilig wurde". An guten Tagen kletterte er hinauf auf den Münsterturm, wo der Türmer gleichzeitig als Schneider fungierte - von Mörike als "mein Himmelsschneider" apostrophiert. Oft hielt er sich im Gasthof Zum Hirschen auf, der höhere Stände beherbergen durfte und ein "Museum" genanntes Lesekabinett besaß: Hier konnte Mörike als Freimitglied die Zeitungen kostenlos studieren. Spaziergänge im Taubergrund waren ebenfalls ein beliebter Zeitvertreib. Die Wolfgangsbrücke ging ebenso wie das Schillerhäuschen im Schlosspark als Skizze in das Haushaltsbuch ein.

Veranstaltung: Bad Mergentheim widmet dem Dichter vom 17. bis 19. September ein reizvolles Wochenendprogramm mit Vorträgen, szenischen Lesungen und einer musikalisch-kulinarischen Soiree.

Buchtipp: Irene Ferchl/Wilfried Setzler: Mit Mörike von Ort zu Ort. Lebensstationen des Dichters in Baden-Württemberg. Geb., 320 S., 171 Abb., Silberburg Verlag, Tübingen 2004, 22,90 Euro.

Informationen: Mörike-Museum Cleversulzbach, Stadtverwaltung Neuenstadt am Kocher Tel.: 07139/97-23, im Internet:

www.neuenstadt.de, www.freundeskreis-moerike-

museum.de

Städtisches Kultur- und Verkehrsamt Bad Mergentheim

Tel. 07931/571 31

Quelle: http://www.welt.de/print-welt/article339...Ort_zu_Ort.html

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George Orwell

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