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Dieses Thema hat 81 Antworten
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 Technik und Umwelt
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Flocky Offline

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03.11.2009 17:24
Der Braunkohlebergbau, ein notwendiges Übel ? antworten

Der Braunkohlebergbau, ein notwendiges Übel?

Mit dieser Beitragsserie möchte ich versuchen, interessierten Lesern einen kleinen Einblick in die Vielfältigkeit des Braunkohlenbergbaus zu vermitteln. Kein Industriezweig ist in jüngster Zeit so in Verruf geraten, wie dieser. Gewiß haben Verantwortliche in der Vergangenheit alles getan, um dieses Image sorgfältig aufzubauen. Man denke nur an den Raubbau in der DDR ab der 70iger Jahre.Das lag aber auch daran, daß die Braunkohle als wichtigster Rohstoff genug vorhanden war. Sie wurde nicht nur in Kesselhäusern der Kraftwerke verheizt, sie wurde auch zu Brikett verpreßt. Nicht vergessen darf auch die Vereddlung der Braunkohle zu HT-Koks, welcher in Hochöfen den Steinkohlekoks voll ersetzte, oder die Gasgewinnung. Dieses wurde mittels einem weitverzweigten Rohrnetz durch die gesamte DDR zu den Haushalten transportiert. Als Grundstoff vieler chemischer Erzeugnisse wie Lacke, Medikamente, Pflanzenschutzmittel, um nur einiges zu nennen, war sie war sie unverzichtbar. Die wenigsten werden wissen, daß schon während des zweiten Weltkrieges Treibstoffe nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren hergestellt wurden. Erst mit der Möglichkeit, Importöl bzw. -gas aus der Sowjetunion zu beziehen, wurde die Braunkohleförderung in der DDR zurückgefahren. Die Folge war, daß eine Reihe von Tagebauen stillgelegt werden sollten. Doch nicht lange sollte der Gas-/Ölboom dauern, denn schon einige Jahre später wurden die stillgelegten Braunkohlenwerke wieder angefahren, da dieser Energieträger zuverlässiger und billiger zur Verfügung stand. Und das ist bis zum heutigen Tag so geblieben. Die Braunkohle ist ein einheimischer Energieträger, er ist billiger, und importunabhängig. Der Umweltschutz blieb auf der Strecke, obwohl auch hier zögerliche Rekultivierungsarbeiten zu erkennen waren, doch reichten sie bei weitem nicht aus, da die Fläche der Inanspruchnahme bedeutend größer war als die, die der Forst- oder Landwirtschaft wieder zurückgegeben werden konnte.



Übersicht über die Braunkohlereviere in Deutschland Bild.1


Seit über 200 Jahren wird in der Niederlausitz Braunkohle abgebaut. Im Mitteldeutschen Raum, besonders im Geiseltal bereits schon seit dem 14. Jahrhundert. Besonders lebhaft wurde das Leben der Braunkohlekumpel im Roman "Der Laden" von Erwin Strittmatter geschildert. Das Restloch der dort beschriebenen Grube "Felix" im Raum Döbern (Niederlausitzer Braunkohlenrevier) ist noch heute der "Felixsee" ein beliebtes Naherholungsgebiet, inmitten von pilzreichen Kiefernwäldern. Obwohl zur damaliger Zeit wenig oder kein Geld für Rekultivierungsmaßnahmen ausgegeben wurde, nahm sich im Laufe der Jahrhunderte die Natur das zurück, was ihr einstmals genommen wurde. Das soll kein Freibrief dafür sein, daß der Mensch wegen der Braunkohle die Natur zerstören darf, aber ein Hinweis dafür, daß die Natur den Menschen nicht braucht, aber umgekehrt schon.



Der Felixsee entstanden aus einem Tagebaurestloch um 1900 Bild 2
Dieser See entstand, nachdem der Kohleabbau eingestellt wurde. Das Restloch füllte sich mit Wasser und es entstand dieser idyllische See ohne des Menschen Hilfe. Man erkennt genau Abbaurichtung. Rechts erkennt man das "gewachsene" , links im Bild das "geschüttete" Ufer. Die Abbaurichtung erfolgte somit von links nach rechts (auf dem Bild)

Zeugen der früheren Braunkohlengewinnung kann man noch heute entdecken, wenn man auf der B 115 zwischen Döbern und Bad Muskau aufmerksam in die angrenzenden Wälder schaut. Dort findet man trichterförmige Einsenkungen, die von eingebrochenen Strecken herrühren. Die Braunkohle wurde damals häufig im Tiefbauverfahren gefördert, deren "Gänge" nicht verfüllt wurden, sondern man überließ die weitere Entwicklung sich selbst. Die Holzstempel, die man zum Streckenausbau verwendete, wurden morsch und brachen. Dadurch entstanden willkürlich die Trichter im nachwachsendem Wald neben der Straße. (Sog. "Bruchgelände")



Uraltbergbau, sog. Bruchgelände, hervorgerufen durch Streckenzusammenbrüche, Bild 3


(wird unregelmäßig fortgesetzt)

Flocky Offline

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04.11.2009 18:05
#2 RE: Der Braunkohlebergbau, ein notwendiges Übel ? antworten

Da der Bedarf an Braunkohle begrenzt war, genügte diese unproduktive Abbautechnologie mit der intensiveren Nutzung dieses Bodenschatzes nicht mehr. Mehr und mehr setzte sich der Tagebaubetrieb durch, der besonders billig zu gestalten war, weil noch bis zum Anfang des 20sten Jahrhunderts im Niederlausitzer Revier der Braunkohleflötz nur wenige Meter unter der Rasensohle begann und eine Mächtigkeit bis zu 20 Meter besaß. Dennoch war die Abbautechnologie primitiv und unproduktiv, jedoch aber schon ein Fortschritt gegenüber der Untertageförderung. Diese wurde nur noch zur Entwässerung des Flötzes bis in die 60iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts angewendet.
Entsprechend des Abtransportes der sich über der Kohle befindlichen Deckschicht aus Sand, Kiesen, Letten, Ton, Lehm usw. unterscheidet man die Tagebaue in Zug-, Band- und Brückenbetrieb. (evtl. Bilder)Ersterer ist material- und kostenaufwendig, während letzterer einen imensen Aufwand an ingenieurtechnischer Kunst in Konstruktion, Montage und Betrieb erfordert, hat sich diese Technik innerhalb kurzer Zeit durch extrem hohe Förderleistung und geringsten Stillständen sehr schnell amortisiert.
Die Anwendung dieser unterschiedlicher Abbautechnologien hängt sehr stark von den geologischen Bedingungen ab. Da die Kohleflötze im Niederlausitzer Revieren eine konstante Abraummächtigkeit besitzen und das Flötz ebenfalls konstant mit wenigen Einschlüssen (Mittelmassen) vorkommt, werden in den noch bestehenden 5 Tagebauen ausnahmslos Forderbrücken eingesetzt, die anfang 1970 ihren Betrieb aufnahmen.
Eine hat es nicht mehr geschaft, ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Sie befand sich im Probebetrieb als der Tagebau für den sie vorgesehen war,Anfang der 90iger Jahre stillgelegt wurde. Die neuen Herren aus dem Rheinland beschlossen, sie zu sprengen ohne daß sie jemals zum Einsatz kam. Der Ortsvorstand einer nahegelegenen Gemeinde nahm sich Herz und Geld zusammen, und wagten , diesen Stahlkoloß zu kaufen. Im Februar 2000 konnte die Brücke von ihrem Montageplatz auf den vorbereiteten endgültigen Standplatz verfahren werden. (400 Meter Gleisweg) Heute dient dieses Wunderwerk der Technik als Besucher"bergwerk" und ist oft ein Hintergrund künstlerischer Darbietungen.



(Bild..4)
Dieses riesige Stahlgerüst hat eigentlich nur eine Aufgabe: Es trägt 2.5 Meter breite Gummibänder die zum Transport und der Verteilung von den drei angeschlossenen Baggern abgetragenem Abraum über das freigelegte Kohlenflöz hinweg zur Kippenseite dienen. Diese wiederum schütten den Abraum des Deckgebirges (in unserer Region ist es in der Regel 60 Meter "dick") auf Zubringerbändern zum Hauptband.



(Bild 5)

Das Gesamtsystem der Bagger-Brücken-Kombination mit Zubringerkonstruktion ist noch einmal zur Übersichtlichkeit in einer Skizze dargestellt. Ich hoffe, daß die wichtigsten Maße und Leistungsparameter aus der Skizze ersichtlich sind, denn diese diente mir eine Zeitlang als Orientierungshilfe auf diesem Eisenmonstrum. Man stelle sich vor, daß die Entfernung vom Vorschnittbagger (rechts auf der Skizze) bis zum Abwurfband (Band 10) auf der linken Seite max 900 Meter betragen kann. (Teleskopwirkung der Geräte.) Man bedenke weiterhin, daß die Steuerung der gesamten Gerätekombination (Synchronlauf) von dem Brückenfahrer im Leitstand mit nur einem kleinen Drehknopf, ähnlich dem Lautstärkepotentiometer an der Hifi-Anlage, bewerkstelligt wird, während die Steuerung der Eimerkette, des Schwenkwerkes und der Hilfsgeräte von den drei Baggerfahrern der angeschlossenen Abraumbaggern selbst getätigt werden.



(Bild 6)

Dieses Bild stellt einen typischen Förderbrückentagebau dar. Zusätzlich werden hier noch Reste des 1. Niederlausitzer Braunkohleflözes -so nebenbei - "mitgenommen". Die Bildbreite stellt ca. 5 Km in Wirklichkeit dar. Die Förderstrossenlänge ( 90° zur Abbaurichtung) beträgt ca. 6 Km, je nach Flözlage. Der Flöz selbst besitzt eine Mächtigkeit von ca. 12 Metern.
Hinweis: Die angegebenen Werte sind ungefähre Durchschnittswerte und dienen lediglich der leichteren Vorstellung über die Dimensionen eines Braunkohlentagebaues.

Bienchen Offline

Moderator DORNRÖSCHEN
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04.11.2009 18:18
#3 RE: Der Braunkohlebergbau, ein notwendiges Übel ? antworten

Wow! Vielen Dank für die viele Mühe, die Du Dir machst. Deine Erläuterungen sind wirklich prima, um dem Ganzen noch etwas näher zu kommen. Berichte über die riesigen Maschinen habe ich bereits im TV gesehen, das ist echt Wahnsinn!

Besonders gefällt mir natürlich der Felixsee, an dem man erkennt, wie die Natur (wie Du selbst beschreibst) sich das Land wieder zurückholt. Sah man früher immer nur die Bilder der riesigen "Wunden" in der Landschaft, so ist das wirklich interessant und wichtig zu sehen, dass es nicht so bleibt. Sicher sieht man auch Naturfilme, die in alten Steinbrüchen oder Sandgruben gefilmt wurden, aber dieses Gelände ist natürlich nicht zu vergleichen mit diesen.

Super, Willi!!!


Liebe Grüsse


Flocky Offline

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04.11.2009 18:48
#4 RE: Der Braunkohlebergbau, ein notwendiges Übel ? antworten

Das ist auch das Anliegen dieser "Serie". Mal Euch weitwegwohnenden, interessierten Skeptikern möglichst neutral zu zeigen, daß auch diese "Vergewaltigung" der Natur ihre Reize und auch die Akzeptanz der hier Wohnenden besitzt. Man kann, wenn man will, so tendenziös die "geschundene" Landschaft hervorbringen, ohne auf die neu entstandenen Naturschönheiten zu sehen. Beides will ich in Bildern zeigen. Auch hier stehe ich hinter jedes Bild. Habe sie zum Teil selbst aufgenommen, zum Teil aber Drucksachen entnommen, deren Autoren als seriös gelten.
So habe ich z.B. Videos aus dem Tagebau, einem Kraftwerk, einer Brikettfabrik gemacht, die ich aber hier nicht hereinstellen kann. Sie sind zu lang. Wer daran Interesse hat, nun da ließe sich drüber reden. Ein Kurzfilm-Zusammenschnitt aller könnte schon drin sein.
Mal sehen, wie die Reaktion sein wird.

Bienchen Offline

Moderator DORNRÖSCHEN
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04.11.2009 18:53
#5 RE: Der Braunkohlebergbau, ein notwendiges Übel ? antworten

Also wenn es irgendwie möglich wäre, würde mich so ein Kurzfilm-Zusammenschnitt auch sehr interessieren!
Und natürlich auch noch mehr Fotos - auch noch mehr von der "neuen alten Natur" dort!


Liebe Grüsse


Flocky Offline

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04.11.2009 18:58
#6 RE: Der Braunkohlebergbau, ein notwendiges Übel ? antworten

Klar Bienchen, einige Fotos wirst Du hier noch sehen, der Rest geht nicht verloren und über einen Zusammenschnitt läßt sich reden. Der Winter kommt mit seinen langen Winterabenden, da kann soetwas schon werden. Mach ich doch gerne!

Bienchen Offline

Moderator DORNRÖSCHEN
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04.11.2009 19:03
#7 RE: Der Braunkohlebergbau, ein notwendiges Übel ? antworten


Liebe Grüsse


Flocky Offline

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04.11.2009 19:07
#8 RE: Der Braunkohlebergbau, ein notwendiges Übel ? antworten

Zitat von Bienchen




Bin dann mal weg, vorher schreibe ich mir noch auf:

"Für Bienchen Bilder und Filme zusammenpacken und vergessen, wo sie liegen!"

Bienchen Offline

Moderator DORNRÖSCHEN
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04.11.2009 19:09
#9 RE: Der Braunkohlebergbau, ein notwendiges Übel ? antworten


Liebe Grüsse


Flocky Offline

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07.11.2009 19:04
#10 RE: Der Braunkohlebergbau, ein notwendiges Übel ? antworten

2. Folge
Ich möchte zu den vorherigen Bildern noch einige hizufügen. Sie zeigen ein typisches Bruchgelände, die durch Streckenzusammenbrüche aus dem Altbergbau vor 150 Jahren entstanden.
Damals kannte man noch keine Rekultivierungsmaßnahmen, die Natur mußte sich selbst helfen. In der DDR sah man ebenfalls keine Notwendigkeit, die inzwischen malerisch entstandene Landschaft zu korrigieren. Also wuchs eine Flora heran, die am besten mit den vorgefundenen Bodenbedingungen zurecht kam. Die auf den Bildern erkennbare Sträucher und Bäume sind nicht von Menschenhand gepflanzt worden, sondern durch die Willkür der Tiere durch ihren Kot hier "angesiedelt" worden.
Neuerdings geht man diesen Weg wieder. Das geschüttete und geformte Gelände über dem ausgekohlten "Loch" will man auch sich selbst überlassen. Einige Versuchsflächen sind schon angelegt worden. Doch dazu später.



Bild 4



Bild 5



Bild 6



Bild 7

Bild 8


Auf dem folgendem Bild (Bild 9) ist ein "abgesoffener" Tagebau im wahrsten Sinne des Wortes zu sehen, der sich direkt am vorher gesehenen Bruchgelände anschließt.
Abgesoffen im wahrsten Sinne des Wortes. Um 1900 herum überraschte die Bergleute, welche die Braunkohle mit der Pickhacke abschlugen um sie anschließend in Ochsenkarren wegzutransportieren, ein starker Wassereinbruch. Fluchtartig mußten sie ihre Grabungsstelle verlassen. Oft war nicht einmal Zeit, ihr persönliches Handwerkzeug zu retten. Die vorhandenen Entwässerungspumpen waren zu schwach, dem Wasser Einhalt zu gebieten.Das entstandene Loch füllte sich mit Wasser. Da diese Grube keinen natürlichen Zu- und Ablauf hatte, der Wasserstand aber ständig gleichblieb, stand man jahrzehnte vor einem unerklärlichen Rätsel. Erst das Jahr 1961 brachte Aufklärung, als man das Gelände mit Erkundungsbohrungen übersäte und dabei auf einen unterirdischen See stieß. Wahrscheinlich hielt sein Vorhandensein davon ab, dieses ganze Gelände mit leistungsstarken Maschinen, wie sie im drei Kilometer vorbeiziehenden Tagebau eingesetzt werden, noch einmal zu überbaggern. Es wäre schade um dieses idyllische Fleckchen Erde. Leider ist es aber Rutschungsgefährdet. Im Jahr 1964 fand eine solche statt und riß einen Löffelbagger vom Typ "UB 160" mit in die Tiefe. Vier Tage nach dem Unfall fanden Taucher den Bagger fast in der Mitte des Sees unter einer 4 Meter dicken Schlammschicht. Die Bergung wurde zu kostspielig und auch zu kompliziert, also ließ man ihn unten.
Dieser Bagger stand auf gekippten Boden, welcher unter der Wasseroberfläche sich wie ein Schwamm mit Wasser vollgesogen hatte. Die Fibration des Dieselmotors bewirkte dann ein Abbrechen eines riesigen Uferstückes. Menschenleben waren nicht zu beklagen, aber sie könnten! Das weggebrochene Land wurde als Badeufer von hunderten von Menschen genutzt.



Bild 9 Als könnte er kein Wässerchen trüben.....



Bild 10. So sieht ein "geschüttetes" oder "gekipptes! Ufer aus. Hier sollte man sich nicht aufhalten!



Bild 11

Ein Veteran der ersten Stunde. Man vermutet, daß dieser Baum schon in den Anfangszeiten des hiesigen Bergbaues schon stand. Man beachte seinen Ehrgeiz, sich jung und frisch für uns zu machen. Man beachte: Um den alten Baumstam sprießen junge Stangen. Man sollte ihn unter Naturschutz stellen!

(wird fortgesetzt)

Bienchen Offline

Moderator DORNRÖSCHEN
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07.11.2009 19:20
#11 RE: Der Braunkohlebergbau, ein notwendiges Übel ? antworten

Dankeschön Flocky für die Fortsetzung!!!!!

Ist schon interessant, wie die Natur "Hand in Hand" spielt, um wieder zu ihren Ursprüngen zurückzukehren. Der alte Baum ist eine Wucht! Und diese Senken im Wald - das sieht genial aus, auch wenn es nicht "natürlich" entstanden ist.

Man kann viel Neues auf so einem Gelände entdecken, habe ich festgestellt. Schade, dass es so gefährlich ist dort.


Liebe Grüsse


Flocky Offline

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07.11.2009 19:33
#12 RE: Der Braunkohlebergbau, ein notwendiges Übel ? antworten

Nichts zu danken Bienchen. Man tut was man kann. Übrigens, soo gefährlich ist das in diesen Wald gar nicht. Man muß nur die Augen aufbehalten, um nicht mal abzurutschen. Die beiden tiefsten Löcher die ich fand, habe ich nicht wirkungsvoll fotografieren können. Zuviel Kraut im Loch.
Übrigens, keine Bange, hin und wieder bekommt man den untestehenden guten Rat am Baum genagelt:

Frühling Offline

goldene Plaudertasche
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08.11.2009 14:09
#13 RE: Der Braunkohlebergbau, ein notwendiges Übel ? antworten

Einfach nur toll berichtet, beschrieben und veranschaulicht .



Tschüssi


Die Hoffnung stirbt zuletzt...

Turbo Offline

goldene Plaudertasche
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10.11.2009 15:14
#14 RE: Der Braunkohlebergbau, ein notwendiges Übel ? antworten

Das hast Du so toll gemacht






Flocky Offline

Titelanwärter
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14.11.2009 17:57
#15 RE: Der Braunkohlebergbau, ein notwendiges Übel ? antworten

Bergbau, Folge 3

Der von mir nun vorgestellte Tagebau ist in den Jahren 1971...73 erschlossen worden, d.h. es wurde mit einem einzigen Bagger des Typs ES 3150 und der 2.5-Meter Bandanlage, der sog. Aufschlußgarnitur, die Aufschluß"birne" gebaggert, um ein Anfangsloch, welches einmal tief genug ist um zum Kohleflöß vorzustoßen und zum anderen, genug Platz für die auf dem naheliegenden Montageplatz montierten Förderbrücke vom Typ F 60 - der vierten dieser Art - zu erhalten. Mit dem Einfahren der Förderbrücke hatte die vorher genannte Aufschlußgarnitur ihren Einsatz beendet. Der Bagger wurde im Landtransport zu einem anderen, 40 km weiterliegenden Tagebau gebracht, während die Bandanlage (Typ "Girlanden-Tragrollen-Anlage") zerlegt wurde und per LKW ebenfalls einem Tagebau zugeführt wurde. Parallel zur F 60 wurden auf dem gleichen Montageplatz zwei Bagger des Typs ES 3750 für diese Abraumkombination montiert. Der Unterschied beider Baggertypen besteht in der höheren Leistungsfähigkeit.
Als Ende der 70iger Jahre die Mächtigkeit des Abraumdeckgebierges größer wurde, reichten die Abtragsmöglichkeit der beiden Brückenbagger nicht mehr aus, da die Länge der Eimerleiter begrenzt ist und es wurde ein dritter Bagger des gleichen Typs über ein Zubringersystem (transportable Stahlkonstruktion zum Aufnehmen des Zubringerbandes) angebracht. Somit konnte nun die projektierte Abbauhöhe von 60 Metern erreicht werden, das heißt, diese leistungstarke Abraumkombination ist nun in der Lage, in einem Schnitt den Abraum von der Rasensohle bis zum Kohleflöz abzubaggern und auf die ausgekohlte Seite des Tagebaues abzuschütten.

Bild 12

Diese Übersicht zeigt die Lage des Abbaugebietes.

Bild 13

So kann man die Abbaurichtung verfolgen. Die helle Fläche im oberen Rand des Bildes (geografisch Norden) ist für den Abbau vorgesehen. In dieser dargestellten Fläche befinden sich drei Dörfer, (nicht mehr dargestellt) die in den nächsten Jahrzehnten devastiert werden.
Rechts in der Übersicht (Osten) ist der Grenzfluß Neiße zu erkennen. Der Tagebau wird sich künftig an sie bis auf einige hundert Meter annähern. Das erfordert zusätzliche Maßnahmen bei der Wasserführung/hebung. Darauf werde ich später noch eingehen, da hierbei auch internationale Interessen berücksichtigt werden müssen. In der Regel wird hier dann eben eine Flußverlegung in Betracht gezogen. Doch das widerspricht polnischen Interessen.

Bild 14

Während des Tagebaubetriebes „stellte“ sich eine Hügellandschaft in die Abbaurichtung. Weitere 15….20 Höhenmeter mussten „genommen“ werden. Ein zusätzlicher Bagger mit einem eigenen Bandsystem, welches den vom Schaufelrad gewonnenen Abraum um den Tagebau herum auf die Haldenseite transportiert.



Bild 15

Auf diesem Bild erkennt man das parallelaufende Abraumband des Vorschnittbetriebes mit einer Bandübergabestation, welche die Abraummassen übernimmt und sie auf das in 90° versetzte zweite Band, welches quer zur Förderrichtung verläuft, übergibt.


Bild 16

Durch den Vorschnittbagger (Schaufelradbagger, nicht im Bild) freigeräumtes Vorfeld für den Förderbrückenverband. Im Vordergrund ist ein Teil des Abraumbandes zu erkennen.

Bild 17

zur besseren Übersicht noch einmal eine Prinzipskizze vom Vorschnittbetrieb und den Zubringen mit einem Eimerkettenbagger ES 3750


Bild 18

Längsblick in den laufenden Tagebau. Die Abbaurichtung ist im Bild von links nach rechts. Im Hintergrund „dampft“ das Kraftwerk, der Abnehmer der hier geförderten Kohle.


Bild 19

Hier sind die Gleisroste zu sehen, auf denen sich die Brückenstütze, die beiden Abraumbagger, das Querförderband (Zubringerband von den beiden Baggern zum Hauptband) . Die Gleise sind untereinander mit Ketten oder Stangen verbunden, so dass sie in einem Arbeitsgang mit den dieselelektrischen Rückmaschinen gerückt werden können. Das Rücken erfolgt dann, wenn ein weiteres baggern nicht mehr möglich ist. Es geschieht durch hinundherfahren der Rückmaschinen bei eingespanntem Gleisrost. Bei der Fahrt in einer Richtung wird das Gleis bis einem Meter in Abbbaurichtung verschoben. Ein gesamter Rückgang kann den gesamten Gleisrost ca. 8 Meter (je nach Bedarf) verrücken.
Auf dem Bild erkennt man den „wässerigen“ Untergrund. Das sind nur Regenrückstände, die nicht weiter stören.
Im Vordergrund des Bildes (ganz unten) erkennt man ein Stück Abraumband, darüber sieht man die Sammelleitung (ca. 60 cm Durchmesser) von der Ringriegelentwässerung und dicht an der Tagebaukante einen nachttischähnlichen Wasserzerstäuber der Rieselanlage, welche rund um den Tagebau installiert ist. Sie soll aufkommenden Sandstaub löschen.
Noch eine Bemerkung zum Abraumband:
Das 2.5 Meter breite Gummiband mit Stahlkantenschutz bewegt sich auf sogenannte "Girlandentragrollen". Die einzelnen Bandrollen sind miteinander girlandenartig verbunden, um sie bei Rückarbeiten beweglich zu halten. Darüber hinaus sind sie an den Bandgeländer mittels Haken nur eingehangen. Das hat den Vorteil, daß bei einem Rollenbrand die gesamte Girlande mit einem gabelstaplerähnlichen Gerät komplett während des laufenden Betriebes ausgewechselt werden kann. Diese Technologie wurde anfang der 80iger Jahre unter tatkräftiger Mitwirkung der Lehrlinge (heute AZUBIs)entwickelt und getestet.

Bild 20

Zum besseren Verständnis hier noch einmal eine Übersichtsskizze der eigentlichen Förderbrücke, auf der die geförderten Abraummassen der drei an der Brücke angeschlossenen Eimerkettenbagger zur Halde (links im Bild) transportiert werden.

Bild 21

Übersichtsskizze der Haldenseite. Hier wird der Abraum verkippt.

Bild 22

Auf diesem Foto sind die verschiedenen Schüttmöglichkeiten zu erkennen. Während die obersten drei Abwurfstellen zur Bodensortierung und zur Böschungsbildung dienen, werden die beiden unteren in Fahrtrichtung zeigenden seitlichen Austragsbänder zur Schüttung des Planums für die sogenannte Kippenstütze der Förderbrücke benötigt. Hier wird nur tragfähiger Kies geschüttet und im Anschluß mit einer baggerähnlichen Kratzerkette planiert. Sie ist Bestandteil der Kippenstütze und wird vom „Kratzerfahrer“ bedient. Diese Tätigkeit ist bei den Lehrlingen sehr begehrt, da der Maschinistenstand in einem kleinen, geschlossenem und gut geheizten Raum untergebracht ist und das „Kratzen“ keine „Schichtfüllende Tätigkeit ist. Auf diesem Planum wird dann der Gleisrost des Kippenstützenfahrwerkes gerückt.
Das heißt also, der Rückvorgang muß auf der Hauptarbeitsebene (baggerseitig) und auf der Kippenarbeitsebene gleichzeitig erfolgen, damit die Standsicherheit des Brückenverbandes gewährleistet ist.

Bild 23

Ein Blick über die ausgekohlte Bergbaufolgelandschaft, die je nach Vorgaben zu landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen oder touristischen Nutzungen aufbereitet (rekultiviert) werden. Hier ist das Landschaftsprofil schon weitgehend vorgeformt.
Im Hintergrund ist der Vattenfall-eigene Windpark zu erkennen. Er dient Forschungszwecken und befindet sich auf betriebseigenes Gelände.

(wird fortgesetzt)

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