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 Kulturwissenschaften
NEFERTARI Offline

Moderator die Stimme aus der Grabkammer
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22.11.2011 07:13
Urzeitliche Gewalt und Fürsorge antworten

Forscher finden den bisher ältesten Hinweis auf zwischenmenschliche Gewalt

Mitmenschen den Schädel einzuschlagen, hat vermutlich eine lange Tradition im Stammbaum des Menschen. Diese Botschaft geht aus einer Studie internationaler Forscher hervor, die einen fossilen Schädel eines archaischen Menschen untersucht haben, der vor etwa125.000 Jahren im heutigen China lebte. Er zeigt „einschlägige“ Spuren eines stumpfen Gegenstandes, der vermutlich ein schweres Hirntrauma auslöste. "Die Spuren ähneln dem, was Forensiker auch heute noch feststellen, wenn jemand gewaltsam mit einem schweren stumpfen Gegenstand geschlagen wurde“, sagt Lynne Schepartz, eine beteiligte Wissenschaftlerin von der University of the Witwatersrand Medical School in Johannesburg. Neben diesem unerfreulichen Blick in die Urzeit, geht aus den Untersuchungen aber auch eine positive Botschaft hervor: Den Analysen zufolge überlebte der Betroffene die lebensbedrohliche Schlagverletzung. Das war nur durch die aufwendige Fürsorge seiner Gruppenmitglieder möglich, sagen die Forscher.

Der Schädelknochen war bereits 1958 in einer Höhle nahe des Dorfes Maba in der Provinz Guangdong in China gefunden worden. Wegen dieses Einzelfundes ist relativ wenig über den sogenannten Maba-Menschen bekannt. Er gehörte zu einer archaischen Form des Homo sapiens, die Ähnlichkeiten mit dem Neandertaler aufwies. Wie dieser hat er sich vermutlich aus dem Homo erectus entwickelt, der vor etwa 1,8 Millionen Jahren als erste Menschenform aus Afrika auswanderte.

Für die Studie untersuchten die Forscher den Maba-Schädel mit modernen Methoden der Stereomikroskopie und hochauflösendem CT-Scanner. So konnten sie die innere Struktur des Knochens detailliert untersuchen. Dabei offenbarten sich die typischen Zeichen einer verheilten Schädelverletzung, die durch einen Schlag mit einem stumpfen Gegenstand verursacht worden war. Die Forscher können nicht mit Sicherheit ausschließen, dass die Ursache auch ein Unfall gewesen sein könnte. Bestimmte Details der Verletzung seien aber typische Folgen eines gezielten Schlags auf den Kopf im Rahmen einer zwischenmenschlichen Auseinandersetzung, sagen Lynne Schepartz und ihre Kollegen.

Das Ergebnis legt den Forschern zufolge damit zwei spannende prähistorische Szenarien nahe, die mit dieser Verletzung zusammenhängen: Vor 126.000 Jahren schlug offenbar ein Täter seinem Opfer mit Tötungsabsicht auf den Kopf. Soziale Fürsorge ermöglichte es allerdings, dass der Bewusstlose die schwere Verletzung überleben konnte. Vermutlich hat es Monate gedauert, bis die Wunde ausgeheilt war. „Unser Maba-Mensch wurde vermutlich umsorgt und gefüttert, um sich von seinem Schädeltrauma zu erholen“, sagt Lynne Schepartz.



Xiu-Jie Wua (Chinese Academy of Sciences,
Beijing) et al.: PNAS, DOI: 10.1073/pnas.1117113108

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