Neurologen entdecken Hirnfunktionen bei der Objekterkennung
Untersuchungen eines Menschen mit einer ungewöhnlichen Hirnschädigung haben US-Forschern Einblicke ermöglicht, wie das Gehirn Gegenständen eine Bedeutung zuordnet. Der von der sogenannten Objekt-Agnosie Betroffene kann infolge einer Hirnverletzung beispielsweise nicht mehr unterscheiden, ob er einen Tisch oder einen Stuhl vor sich hat. Andere geistige Fähigkeiten sind dagegen nicht beeinträchtigt. Dies ermöglichte Christina Konen von der Princeton University und ihren Kollegen, die für Objekterkennung verantwortlichen Hirnfunktionen einzugrenzen. Ihren Ergebnissen zufolge gibt es keinen einzelnen Hirnbereich, der Objekt-Informationen verarbeitet. Vielmehr arbeiten verschiedene Regionen dabei zusammen. Allerdings scheint es eine kritische Schaltzentrale zu geben, die bei Schädigung zum Ausfall dieses Netzwerkes führt.
Christina Konen und ihr Team nutzten die sogenannte funktionelle Magnetresonanztomographie, um die Hirn-Aktivität während der Wahrnehmung von Objekten zu erfassen. Bei diesem bildgebenden Verfahren werden Hirnbereiche sichtbar, in denen die Durchblutung steigt – ein Zeichen dafür, dass hier Nerven verstärkt arbeiten. Die Neurologen verglichen die Ergebnisse des von Objekt-Agnosie betroffenen Probanden (SM) mit denen von gesunden Personen. Während der Hirnscans betrachteten alle Studienteilnehmer wechselnde Objekte auf einem Bildschirm.
Die Auswertungen zeigten, dass der Hirnbereich, in dem das Bild von der Netzhaut zunächst verarbeitet wird, bei dem Objekt-Agnostiker ähnlich aktiv war wie bei den Kontrollpersonen. Demzufolge ist der sogenannte visuelle Cortex nicht für die Fehlfunktion verantwortlich. Im Gegensatz zu Proband SM war bei den gesunden Teilnehmern allerdings der sogenannte rechte seitliche Gyrus fusiformis aktiv. Genau hier befinden sich bei dem Objekt-Agnosie-Patienten Vernarbungen infolge seines Unfalls. Allerdings blieben auch andere gesunde Bereiche des Gehirns bei ihm reaktionslos, während sie bei den Kontroll-Probanden bei der Objekterkennung eingeschaltet waren.
Die Wissenschaftler folgern daraus, dass der rechte seitliche Gyrus fusiformis bei der Objekterkennung eine wichtige Steuerungsfunktion besitzt. "Ein besonders erstaunliches Ergebnis war, dass obwohl der Hirnschaden in der rechten Hirnhälfte vorliegt, die gleiche Region in der linken ebenfalls nicht normal arbeitete“, sagt Co-Autorin Marlene Behrmann von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh. Das verändere die bisherigen Vorstellungen über die Arbeitsweise des Gehirns im Rahmen der Objektwahrnehmung, ergänzt die Neurologin. Offenbar kann ein Schaden in einem Teil Rückwirkungen auf die Funktionen in anderen Bereichen haben und zu Fehlfunktionen bei der Objektwahrnehmung führen.
Christina Konen (Princeton University) et al. : „Neuron“, doi:10.1016/j.neuron.2011.05.030
Quelle: eRecht24.de - Internetrecht von Rechtsanwalt Sören Siebert
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